Was ist die Thora?

Bereschit – Anfang der Thora

Die Thora ist nicht das ‘Alte Testament’. Dieses nennen die Juden ‘Tanach’. Die Thora wird in unseren Bibelübersetzungen häufig mit ‘das Gesetz’ übersetzt. Das trifft den Kern der Sache allerdings nicht. Bei Gesetz denken wir an Regeln, die gehalten werden müssen, ansonsten droht eine Strafe. Fahre ich zu schnell, werde ich geblitzt und zahle. Also halte ich die Geschwindigkeitsbeschränkung ein, obwohl ich es vielleicht gar nicht möchte.

Die Thora ist da anders. Das Wort Thora sollten wir am besten mit ‘Weisung’ oder ‘Unterweisung’ übersetzen. Das Ziel der Thora ist nicht der Gehorsam aus Zwang, sondern die Formung des Herzens, sodass wir den Willen Gottes tun wollen. Sie ist ein Mittler zwischen Gott und den Menschen und war ursprünglich sogar gar nicht vorgesehen, denn Gott wollte am Sinai eine direkte Beziehung zu den Menschen (Schemot 19,5-11). Diese haben es aber nicht akzeptiert, weil sie zu viel Angst vor Gott hatten (Schemot 20,18-21) und baten stattdessen um Regeln, die sie einhalten können, um Gott zu gefallen. Sicherlich hatte Gott gewollt, dass die direkte Beziehung zustande kommt.

Doch auch wenn die Thora nur ‘Plan B’ ist, so war Gott doch zufrieden, denn das Volk hatte einen Bund mit ihm akzeptiert und er konnte anfangen in diesem Volk eine Kultur zu etablieren, in der es möglich war, dass der Messias erkannt werden würde, sobald er käme. Und so gestaltete Gott das Volk Israel, um seinen Erlösungsplan umzusetzen. Die Thora war dafür die Grundlage und hatte die Aufgabe das Volk zu beschützen, bis der Messias kommen würde. Als die Zeit erfüllt war, sandte er seinen Sohn Jeschua, der den Neuen Bund aufrichtete und die Thora erfüllte (Matitjahu 5,17).

Viele Christen denken, dass mit Erfüllen der Thora durch Jeschua, diese ungültig geworden wäre. Häufig wird auch gelehrt, dass die Thora das Gesetz sei, dass nun abgeschafft ist, weil jetzt Gnadenzeit herrscht. Wenn wir so argumentieren, geraten wir auf ganz dünnes Eis. Nehmen wir nochmal das Beispiel von der Geschwindigkeitsbegrenzung und sagen, dass auf der Autobahn 120 km/h erlaubt sind. Menschen brechen diese Begrenzung und haben deshalb Strafe verdient. Nun kommt Jeschua, fährt 120 km/h und erfüllt das Gesetz. Heißt das nun, dass wir alle 200 km/h fahren dürfen, ohne bestraft zu werden? Oder sind 120 km/h nachwievor gültig, nur dass wir Vergebung durch Jeschua erlangen können, falls wir das Gesetz übertreten? Jeschua sagt selbst, dass wir seine Gebote halten werden, wenn wir ihn lieben (Jochanan 14,15) und die Werke tun werden, die er tat (Jochanan 14,12). Er sagte auch, dass nicht ein einziger Buchstabe von der Thora vergehen wird und dass er nicht gekommen ist, die Thora aufzulösen (Matitjahu 5,18). Anschließend ergänzt er, dass “wer nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel” und “wer sie aber tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Reich der Himmel” (Matitjahu 5,19).

Im Neuen Bund kann Gott direkt in den Menschen wohnen, die mit ihm leben, denn sie sind durch Jeschua geheiligt und eine neue Schöpfung. Statt im Allerheiligsten des Tempels zu leben, lebt Gott nun in unseren Herzen und wir folgen nicht mehr dem Buchstaben der Thora, sondern dem Geist der Thora. Der Geist der Thora will aber ebenfalls die Erfüllung der Thora in uns erreichen.

Ein interessanter Gedanke ist, dass das 1000-jährige Reich eine Rechtsgrundlage bzw. eine Verfassung braucht. Ich denke, dass die Thora diese Rolle übernehmen wird. Es gibt klare Hinweise darauf. Wenn in der Thora Vorschriften genannt werden wird häufig erwähnt, dass sie eine ewige Ordnung sind, sowohl für Israel als auch für die Fremdlinge im Land. Wir wissen auch, dass im 1000-jährigen Reich das Laubhüttenfest wieder gefeiert werden wird und dass es als Sanktion keinen Regen im kommenden Jahr für die Völker gibt, die nicht nach Jeruschalajim zum Fest ziehen.