Hebräisches Denken

Mittelmeer bei Haifa – sinnbildlich für die Weite des hebräischen Denkens

Das hebräische Denken unterscheidet sich außerordentlich von dem Denken, dass wir in der westlichen Welt gewohnt sind. Wenn wir uns wieder aneignen wie ein Hebräer zu denken, werden wir feststellen, dass das Buch der Bünde uns in eine viel größere Tiefe führt. Der Hebräer denkt mit dem Herzen, dem Ort wo Gott dem Menschen begegnet, wir dagegen sind es gewohnt mit dem Verstand alles zu analysieren und Gott in theologische Denkstrukturen zu pressen. Dabei verpassen wir aber ihn selbst. Das hebräische Denken ist auf Gott ausgerichtet und hat ihn zum Ziel.

In der hebräischen Sprache sind Wortwurzeln besonders wichtig, von denen sich Vieles ableitet und miteinander verknüpft. So hat das hebräische Wort für Vater (Ava: אבא) eine Verbindung zu Liebe (Ahava: אהבה). Wir erkennen das nur, wenn wir in die hebräische Sprache schauen. Und Ahava ist wieder verwandt mit dem Gottesnamen (Yahweh: יהוה). Gott ist die Liebe und der liebende Vater, das bestätigt auch die hebräische Sprache.

Unser Denken wird von der griechischen Logik dominiert. Im griechischen Denken hat das Wort genannt ‘logos’ an sich keine Macht. Im hebräischen Denken haben Wörter Macht und haben Auswirkungen. Das beste Beispiel dafür ist die Schöpfungsgeschichte. Wenn ein Hebräer etwas hört, bedeutet es für ihn auch gleichzeitig, dass eine Handlung daraus resultiert. Wir sind es eher gewöhnt etwas zu hören, zu verstehen und dann zu merken. Dann gehen wir zum nächsten Thema über. Einen Hebräer wird das Gehörte notwendigerweise zur praktischen Handlung im Hier und Jetzt treiben, während ein Mensch der westlichen Welt dazu neigt theoretisch zu denken. Ein Warten auf einem abstrakten Himmel ist dem Hebräer völlig fremd, er rechnet mit Gottes Gegenwart und Eingreifen im Hier und Jetzt. Ihm ist auch völlig klar, dass die Ewigkeit ins Diesseits kommen wird, statt dass sie für immer etwas Jenseitiges bleiben wird.

Ein Hebräer hat ein sehr weites Denken und kein so enges wie ein Mensch der westlichen Welt. Nicht umsonst gibt es das Sprichwort: 3 Juden, 5 Meinungen.

Wir denken geradeaus und gradlinig, von A nach B. Wenn wir z.B. eine Prophezeiung ansehen, suchen wir nach einer bestimmten Erfüllung. Das hebräische Denken ist zirkulär, das bedeutet, dass sich Dinge wiederholen und sich auch mehrfach erfüllen können. Ein Beispiel dafür ist Jeschajahu 7,14. Dort geht es um eine Jungfrau die schwanger werden wird und einen Sohn gebären wird. Wir denken dabei sofort an Mariam und Jeschua. Allerdings hat sich diese Prophezeiung auch schon zu Jeschajahus Lebzeiten erfüllt. Da ging es aber um eine junge Frau, die schwanger wurde. Trotzdem bezieht sie sich im gleichen Maße auf die Geburt Jeschuas.

Ein weiteres Beispiel für Wiederholung und Verknüpfung sind Jeschua und Israel. Sie werden beide als Gottes erstgeborener Sohn bezeichnet. Werden beide aus Ägypten gerufen und sollen Gottes Licht in die Welt bringen. Dabei erleben beide Ablehnung und Verfolgung und schließlich stirbt Jeschua am Kreuz und steht am 3. Tag von den Toten auf. Ebenso stirbt das Volk der Juden im Holocaust und der Staat Israel ersteht im 3. Jahr danach an einem einzigen Tag von den Toten auf. Das Volk des Messias geht durch den gleichen Tod wie er und wir mit ihm auch verherrlicht, was wir heute am blühenden Feigenbaum sehen können.