Tallit

Tallit – der jüdische Gebetsschal

Der jüdische Gebetsschal ist in Israel viel zu sehen. Sehr bekannt sind Bilder von der Kotel (Westmauer) an der Juden mit dem Gebetsschal, genannt Tallit (טלית), stehen. Er geht auf die Thora zurück. Dort lautet die Anweisung:

Rede zu den Söhnen Israel und sage zu ihnen, dass sie sich eine Tzitzit an den Zipfeln ihrer Oberkleider machen sollen für alle ihre künftigen Generationen und dass sie an die Tzitzit des Zipfels eine Schnur aus Tekhelet blau setzen sollen (Bemidbar 15,38).

Die Zierfäden, genannt Tzitzit (ציצית) (Mehrzahl Tzizijot (ציציות)) symbolisieren, dass das jüdische Volk mit Gott verbunden ist und sind eine Erinnerung daran, seine biblischen Gebote ‘Mitzvot’ zu halten. Wenn man den Zahlwert des Wortes ציצית ermittelt und dann 5 für die 5 Knoten dazurechnet erhält man 613, die Anzahl der Gebote, die in der Thora gegeben werden. So soll der Anblick an sie erinnern: “Und das soll euch zur Merktzitzit werden, und ihr sollt sie ansehen und dabei an alle Gebote Adonais denken und sie tun, und ihr sollt nicht eurem Herzen und euren Augen nachfolgen” (Bemidbar 15,39). Die Fäden sind 26mal gedreht und ergeben so den Zahlenwert des Namen Gottes יהוה (Jahweh) und beziehen sich auf die Gnade. Wenn Juden den Gebetsschal anlegen, hüllen sie sich symbolisch in Gottes Gnade ein. Das hebräische Wort für die Zipfel ist das gleiche wie auch für Flügel genutzt wird, wie in dem bekannten Schutzgebet: “Mit seinen Schwingen deckt er dich, und du findest Zuflucht unter seinen Flügeln. Schild und Schutzwehr ist seine Treue” (Tehillim 91,4).

Diese Worte beziehen sich auch auf die Tekhelet blaue Tzitzit, die mit einem kostbaren Farbstoff, der in alter Zeit aus einer Schnecke gewonnen wurde, gefärbt sind. Das Geheimnis der Herstellung ging mit der Zerstörung des Tempels verloren. Das Blau steht für die Farbe des Meeres und die des Himmels und erinnert damit an Gottes grenzenlose Herrschaft, genannt מלכות שמים (Malchut Schamajim), die Königsherrschaft der Himmel.

Juden mit Tallit an der Kotel

Wenn Juden ihren Gebetschal anlegen beten sie: “Gesegnet bist du Adonai, Gott König des Universums, der uns geheiligt hat durch seine Gebote und uns befohlen hat, uns in die Tzitzit einzuhüllen.”

Die Tzitzit finden wir auch im Neuen Bund: Und eine Frau, die seit zwölf Jahren mit einem Blutfluss behaftet war und, obgleich sie ihren ganzen Lebensunterhalt an die Ärzte verwandt hatte, von niemand geheilt werden konnte, kam von hinten heran und rührte die Tzitzit seines Gewandes an; und sogleich hörte ihr Blutfluss auf (Lukas 8,43.44). Jeschua fragte daraufhin, wer ihn berührt hätte, denn Kraft ging von ihm aus.

Der Tallit ist auch die Grundlage für die Flagge des Staates Israel. Das ist deutlich an den beiden blauen Streifen zu sehen. Sie entstandt 1897 auf dem 1. Zionistenkongress, auf dem Theodor Herzl den berühmten Ausspruch prägte: “In Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich das heute sagte, würde mir universelles Gelächter antworten. In fünf Jahren vielleicht und sicher in 50 Jahren wird es jeder einsehen.” Wolffsohn, einer seiner Helfer erklärte die Entstehung: “Auf Geheiß unsres Anführers Herzl kam ich nach Basel, um Vorbereitungen für den Zionistischen Kongress zu treffen. Unter den vielen Problemen, die mich damals beschäftigten, war eines, das in gewisser Weise das Wesen des jüdischen Problems in sich barg: Welche Flagge würde in der Kongresshalle hängen? Da durchfuhr mich eine Idee: Wir haben eine Flagge – und die ist blau und weiß. Der Tallit, den wir um uns wickeln, wenn wir beten: das ist unser Symbol. Lass uns diesen Tallit hervornehmen und vor den Augen Israels und aller Völker entrollen! Also bestellte ich eine blauweiße Flagge, auf die der Davidstern gezeichnet wäre. Und so entstand die Nationalflagge, die über der Kongresshalle wehte.”